stories by eve


Die  DDRler und die kühle BLONDE

 

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Jeden Abend überwanden die DDRler die Mauer .. durchschritten ihre Einsamkeit in der Hoffnung auf die kühle Blonde .. wussten sie doch, dass diese dort wartete .. sehnsuchtsvoll .. bereit für ihre Lippen .. ihren Mund zu füllen ... ihnen das zu geben, das ihr Leben lebenswert erscheinen lässt ..

Die kühle Blonde war geduldig .. harrte aus .. bereit für die Finger der DDRler .. bereit sich ihnen hinzugeben .. und nicht nur das .. bereit vollkommen in ihnen zu verschmelzen .. auf eine Art und Weisevon schon fast ekstatischem Fanatismus  .. denn .. die DDRler waren ihre treusten Bewunderer .. wenn sie so vor ihnen statt .. in ihrer vollen Nacktheit .. ohne Scham .. den Schaum auf ihrem Oberkörper .. golden glänzend und tropfend .. das war die kühle Blonde ..

Die DDRler lebten tagsüber sehr zurückgezogen .. ein unsichtbare Mauer um sich herum machte ihr Leben trostlos .. hatten sie Fenster .. doch der Blick aus diesen war wie das Sehen durch ein Fernglas .. alles verschwommen .. in der Weite verschwunden ..doch dann .. dann schlug die Uhr .. sechsmal hintereinander .. das war die Zeitrechnung hinter der Mauer .. der Schlag .. und mit einem Schlag wurde ihnen bewusst .. jetzt .. jetzt konnten sie die Kühle in sich spüren .. ihre Lippen wurden feucht .. und es war .. als wenn ein Gletscher auf einen Vulkan gekippt wurde .. eine verhinderte Explosion ... ein Schmelzen in einem Topf aus Eis .. war es wie eine Sucht, die sie vorantrieb ..

Und dann trafen sie sich .. jeden Tag .. zur gleichen Stunde .. am gleichen Platz ...   um den Augenblick zusammen zu geniessen .. die Hüllen fallenzulassen .. frei zu sein in ihren Gedanken .. und .. sie bezahlten .. ja .. die kühle Blonde verlangte Geld .. denn Geld regiert die Welt .. auch hinter den Mauern war dies der Alltag ..

Doch die Kühle liess sie ihre Sorgen vergessen .. für einen Moment die Ziegel aus ihrem Kopf nehmen .. aus ihrem Körper .. und ein kleines Gefühl der Freude kam in ihnen hoch .. das war der kostbare Augenblick des 6 Uhr Schlages der grossen Kirche, die hämisch über sie wachte ..

Die Kühle war rein .. war eine Art Zauberkraft .. sie griffen zur gleichen Zeit nach ihr... sie wehrte sich nicht .. sie wurde zur Mitte getragen .. umklammert voller Sehnsucht ..

 

 

 

Und dann ..

 

 D... idi ..   Prost

 D... etlef .. Prost

 R ...udi ..   Prost

 

und ihr Tag war gerettet .. dank der kühlen Blonden, das jeden Tag .. zur gleichen Zeit an den Tresen auf sie wartete ...

DER VERLORENE JESUS ..

. .. nach der Kreuzigung kommt der Fall .. oder kommt der Fall vor der Kreuzigung ..

 

Der verlorene Jesus

 

 

Meine Beine stoppten .. ich sah ihn da liegen .. gefesselt in einem

Gewirr von Gestrüpp .. ein Kreuz zog ihn dahin .. am Boden

zerstört lag er vor mir .. wer ihn da wohl verloren hatte ..

er war schon ganz grün .. überzogen vom Moos .. wie lange

er dort wohl liegen musste ..

 

Vorsichtig trat ich heran .. er war zart und leidend und

doch stark in seiner Haltung .. die Hände ausgebreitet .. nein ..

beten war nun zu spät .. was hielt er da in seinen Händen ..

zwei verwelkte und doch leuchtende Knospen .. war das die

Hoffnung für ihn gewesen .. die Knospen des Sterbens .. wollte

er diese mit in das Land nehmen, dass er immer um sich hatte ..

seine Welt war unerreichbar .. so spürte ich seinen Schmerz

des unverstandenen .. derjenige, der in dort begraben gelegt

hatte, der hatte sich selbst auch in dieser Welt nicht verstanden gefühlt ..

war es so etwas wie Leid, dass mir da

entgegen sah .. ich sah genauer hin .. und fragte ihn ..

 

„Wie kommst Du da hin ? Wer hat dich dort abgelgt ?“

 

Ich musst eine Weile warten, bevor ich eine Antwort bekam ..

denn seine Stimme war mehr als schwach ..

 

„Mein kreuz wurde mir zu schwer zum tragen .. jeder wollte

immer nur mein Bestes .. doch keiner wusste, was mein Bestes

war .. somit kam ich in eine tiefe Dunkelheit .. legte mich nicht

mit den Farben an, die dort in einer Unendlichkeit um mich

herum tanzten .. das verwirrte mich nur noch .. ich kam mit

dieser Pracht an Prachtvollen nicht zurecht .. meine Welt

war die Schwere und die Tiefe .. „

 

So sah ich ihn an .. mir kamen die Tränen bei seinem Anblick ..

die Farben sollten mich trösten .. doch spürte ich diesen

immer da gewesenen Schmerz der Untröstlichkeit .. das Herz

schwer verhangen .. mit einem dichten Eisenvorhang .. immer

dichter wurde dieser .. und .. irgendwann .. irgendwann war

ein Ende da .. der Jesus war nicht verloren .. er war vor-

bereitet .. auf ein Ende, dass schon so lange ohne Respekt

sich zugang zu mir machte .. dieses Wissen betrübte meine

Kreativität .. kam ich auch nicht mehr klar mit dieser Welt ..

sie war so wundervoll grausam .. die Knospen waren noch

Lichtmomente . doch wusste ich, dass auch diese verwelken

würden .. doch .. ich kämpfte nicht .. denn einen Kampf wollte

ich nicht .. wusste ich doch, dass ich verlieren würde .. so

oder so ..

 

 

SCHRANKENLOS ist nicht GEDANKENLOS ...

das ist er ...

Der schrankenlose schrank

 

Du hast dich nicht leicht austellen lassen ..

Hast dich geweigert, dort den platz einzunehmen ..

Doch jetzt, jetzt stehst du da ..

Und ich bin so beeindruckt von dir ..

Bis der schrank aus meiner kindheit ..

Habe dich mit einem rosa tuch behängt ..

Die zartheit strahlst du aus ..

Hast keine schlüssel mehr ..

Ein abschliessen kennst du nicht ..

Wozu auch .. ist meine kindheit ja auch noch nicht vorbei ..

Fühle mich in meinem alter immer noch als kind ..

Somt .. keine schranken die das leben kennt ..

Es ist der schrank, der alles noch aufbewahrt ..

Ich kann ihn öffnen ..

Dann sehe ich mich als kind ..

Vor ihm stehen ..

Schwer fällt mir die erinnerung ..

Innen, ja innen, da ist noch ein teil von mir ..

Hat es sich nicht herausgertraut ..

Hatte es nicht das vertrauen einfach rauszutreten ..

Oder war der schrank die schranke ..

Die das kind noch beschützt hat ..

Dort, dort bist du ganz für dich ..

In der ecke, die niemand sehen kann ..

Das erregt mich mit freude ..

Ein glücksgefühl überkommt mich ..

Mein schrank, mein schutz meiner selbst ..

Nicht verschlossen, daher jederzeit das austreten ..

Doch will ich nicht ..

Habe ich gerne diesen schutz um mich ..

Andere halten mich für beschränkt ..

Sollen sie doch ..

Das ist meinrückzug dort ..

Niemand, niemand darf mich dort entzerren ..

Das lässt mein schrank nicht zu ..

 

So sehe ich dich wieder an ..

Wie wunderbar alt und doch voller esprit des stehens ..

Stark und unbeugsam ..

Du .. mein schrank .. in weiss



NIEMALSLAND

Niemand kennt die Angst vor dem Niemandsein ..

Es war einmal ein Welt .. da wollte niemand sein .. eines tages,

da flog niemand in diese welt .. plötzlich wusste er den Code

dafür, denn ohne diesen, konnte niemand diese welt betreten ..

 

 


Ganz aufgeregt gab er diesen code dann an der eingangstüre

Ein .. und schwupps, da öffnete sich diese .. zuerst war er sehr

Enttäuscht .. nichts als nebel empfing ihn da .. doch hörte er

Auch stimmen, die er noch nie gehört hatte .. da wusste er, dass

Er im niemandsland war ..

 

 


 

Ein land, wo niemand niemanden stört ..

Wo niemand den anderen als niemand betrachtet ..

Wo niemand den anderen als niemand so sein lässt ..

Sprechen war hier nicht erwünscht ..

Wozu sprechen ..

Alle wollten hier das gleiche ..

Alle wollten hier als niemand leben ..

 

Niemand bekam dieses herrliche niemandgefühl ..

Ach wie schön kann doch das leben sein ..

Niemand der mich frägt ..

 

Wieso hast du nicht ..

Wieso bist du nicht ..

Wieso kannst du nicht ..

Wieso willst du nicht ..

Wieso tust du nicht ..

 

Niemand hatte die welt des nichtfunktionierenmüssens entdeckt..

Es war eine wunderbare art dort zu leben ..

Sein raum um ihn herum wurde immer klarer und auch der nebel

Verschwand nach einiger niemandszeit ..

Da erkannte er, dass eigentlich niemand da war .. ausser ihm,

den niemand ..

doch er empfand keine sehnsucht nach niemand ..

das niemandsland gab ihm das gefühl, dass er niemanden braucht im leben .. ein niemandsdasein begann für ihn ..

nach einiger zeit hörte er wieder eine Stimme .. wo kam diese

denn nur her .. er konnte niemanden sehen .. und doch …

 

er sah nach oben .. da war er .. der niemandsvogel .. verwirrend

schön und majestetisch sass er da auf dem niemandsbaum ..

seine augen bohrten sich in niemand und er sagte zu ihm ..

gib niemals deinen traum auf .. niemand kann dir das verbieten,

denn niemand ausser dir, kann dieser niemand sein ..

 

da wusste der niemand, dass er von vielzuvielen menschen als

niemand behandelt wurde .. sie wollten niemals einen anderen

niemand als ihn als niemand haben .. sie konnten ihn formen und

kneten, wie niemandsknetmasse ..

 

damit sollte nun schluss sein .. denn diese menschen wollten den

perfekten niemand erschaffen, der niemals so sein konnte wie sie. Ein hoffnungsloses niemandunterfangen …

 

niemand blickte nun dem vogel an .. die augen .. irgendwo hatte

er diese schon mal gesehen .. und plötzlich ein schrei .. er wusste es nun, woher er diese augen kannte ..

 

er erinnerte sich .. an sein spiegelbild .. als er klein war .. da

sah er eines abends in den spiegel und seine augen waren

gefüllt mit tränen .. niemand hatte ihn an diesem tag beachtet ..

niemand mit ihm gesprochen, nur geredet .. niemand versuchte

ihn zu verstehen .. niemand gab ihm eine antwort auf seine

fragen .. niemand beachtete seine traurigkeit ..

 

so zog er sich in sich zurück .. wurde stiller uns stiller und

nun war er der perfekt niemand in der niemandsfamilie .. er wusste, dass sie es nicht böse meinten .. aber wo niemand sich

um ihn kümmerte, da konnte auch keine niemandsliebe sein ..

 

daher .. sein weg in die niemandssucht .. nie und nie wollte diese

ihn verlassen .. ein niemandsgefährte in ein niemandsland ..

 

verwirrt stand er nun hier .. in diesem grossen und weiten

niemandsland . . wieder kamen ihm die tränen .. aber diesmal die

tränen der freude .. er wusste nun, dass er, nur er alleine sich

aus dem niemandsdasein befreien konnte .. er wollte auf

niemanden mehr rücksicht nehmen .. es wollte den weg finden ..

heraus aus seinem dasein ..

 

und wenn niemand ihn mehr halten kann .. dann wurde aus dem

niemand nun endlich der mensch, der niemals ein niemand mehr

sein mochte ..

 

 



Die N A N A S

Die NANAfamilie ...

Die Nanas ….

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Einst lebten in einem wunderbaren Wald die Nanas …

Papa Nana, Mama Nana, Tochter Nasowas und Sohn nawasdenn und dem kleinen Hund Naund …

 

Es war eine lustige Familie, die sich das Leben auch lustig gestalten

wollte … Sie hatten den ganzen Tag über vielzuviel Wenigzeit. Was,

ihr kennt nicht die Wenigzeit .. dann müsst ihr in den Garten der

Nanas kommen. Dort ist die Zeit wenig .. denn es gibt so viele Dinge

Dort zu sehen, dass immer zu wenig Zeit ist. Aber das hatten die Nanas absichtlich so angelegt.

 

Als papa nana und mama nana an ein nanachen dachten, da

kam ihnen die Idee mit dem Garten …

Na so was, das wäre doch mal eine tolle Sache, sagte Mama Nana und

Daher der Name Nasowas. In dieser sternenklaren Nacht,

als sie so nanaaneinanderlagen, da kam es wie es kommen sollte.

Ein Nanasamen beschoss ein nanaeichen und ein nasowas fand ihren

Ursprung. Nasowas wurde im nanawaldbusen geboren. Den hatte nanamama extra für nasowas gestaltet.

„Nur hier will ich unser nanachen bekommen.“ Das waren die nicht

zu wiederrufenden Nanaworte von nanamama .. mamamia. Was für eine starke Frau, jammerte insgeheim papanana und dann noch nasowas.

Lange hatte sie überlegt, wie ein nanabusen aussehen konnte.

„Viele, viele Farben .. mit vielen, vielen Mustern“ das wollte nanamama und spitz und rund und riesengross. Nach einigen Wochen trohnte er. Der Supernanabusen … die Leute schüttelten nur noch den Kopf . Sie wussten, dass die nanas verrückt waren. Ihr Nachbar, Hemingway,erzählte den Leuten im Dorf, dass die nanas Tag und Nacht sägten, malten, schweissten, klopften.

 

Nach 5 monaten war der grosse nanamoment .. ein wunderbar buntes und herrliches nanachen .. nasowas kam, sah noch nichts und siegte sofort und schrie aus Leibeskräften in die Fülle des Nanabusens.

 

Wie süss, wie knuddelig, wie rund, wie weich, wie, wie schrullig,

wie herrlich nana unser nasowas doch ist. Die welt der Eltern nana und nana drehte sich nur noch um ihr nasowas … nasowas war ein lebhaftes nanachen .. rauf und runter .. hin und her … hüben wie drüben … schnell und langsam .. sie hielt alle in Bewegung und so

kam noch mehr leben in den Nanagarten. Mamanana entwarf die

tollsten Kleider für ihr nanachen … mit bunten Phanatsiemustern.

Und … Sie bauten Geschichten nach.

 

Als nanamama eines Abends die Geschichte vom Drachen erzählte,

das schrie nawowas aus dem Busen heraus. Ich will einen Drachen …

ich will auch so einen Drachen …

und brüllte so laut, dass sogar der alte Hemingway es hörte und

sein Buch vom Meer zu Seite legen musste, um die Fenster zu

schliessen.

 

Wieder und wieder musste mamanana die Drachengeschichte erzählen.

 

„Einst lebte ein grauer, alter Drachen in einer dunklen Höhle.

Er hatte vor vielen Jahren riesengrosse Eimer gefunden. Er wusste

Nichts damit anzufangen und stapelte dieser in einer düsteren

Ecke seiner Höhle. Im Laufe seiner Drachenjahre vergass er diese.

Eines Abends wollte er sich auf seinem staubigen Dracheneinschlafkissen schlafen leben. Doch es war nicht mehr da.

Dem Drachen kamen die Tränen und aus den Tränen wurde ein

See, der die ganze Höhle überschwemmte.

„Ohne mein Kissen kann ich nicht einschlafen „ jammerte der

Drachen ganz laut. Sein Heulen war bis in das Siebenzwergeland

Zu hören.

Oberzwerg Pompäus sagte zu seinen anderen Zwergen …

Wir müssen dem Drachen helfen. Diese fürchteten sich vor dem

Ungeheuer und hatten schreckliche Angst. Doch Pompäus duldete

Keine Wiederspruch. So machten sie sich auf den Weg über die

10 schwarze Hügel und kamen nach 2 Tagen im Wilden Kaiser an.

So hiess das Land, dass der Drache bewohnte. Noch immer sass

Er vor seine Höhle und der Tränensee wurde immer grösser und

Tiefer.

„Wir wollen Dir helfen“ … Pompäus Stimme zitterte ein wenig. Doch

Das graue Etwas hatte keine Ähnlichkeit mehr mit einem Drachen.

Zusammengesunken sass er am Ufer seines Tränensees und erzählte, was passiert war.

Der kleinste Zwerg, Ideenfix, sah die Eimer im See schwimmen, die

Der Drache vor Jahren in seiner Höhle gestappelt hatte.

„Da, da … das sind Farbeimer, die müssen wir holen“

Die sieben Zwerge baten den Drachen durch seinen See zu waten.

„Ich bin doch so wasserscheu und ich trau mich nicht“ was für

eine erschreckende Drachenantwort.

Der fünfte Zwerg, Ichkanndas, sprang sofort ins Tränenwasser und

Zog einen Eimer nach dem anderen an Land.

Als alle dann so nebeneinander gerettet waren, da ergriff der 4

Zwerg, kreatius, die Initiative.

„Du Drache, wir können Dir eine neue Höhle suchen. Wir malen

die Wände in den herrlichsten Farben an“.

Doch in diesem Moment, als Kreatius die Eimer öffnete, da kam

Ein schrecklicher Windstoss. Dieser riss die Eimer in den Tränensee

Und den Drachen mit dazu.

Der See hatte hohe Wellen und die Farben der Eimer vermischten

Sich mit den Tränen. Der Drache mittendrin schluckte und

Sprudelte das Wasser über sich.

Der zweite Zwerg, Mutefix, sprang dem Drachen hinterher.

Packte diesen am Schwanz und zog ihn an Land.

Doch .. wie sah er jetzt aus … die Tränen wurden von den Augen

Wieder aufgesogen. Doch es waren nicht mehr dunkle Tränen,

sondern tanzende und hüpfende Kumpanen, die sich vom Drachen-

inneren auf die Haut durchkämpften. Das war doch ungeheuerlich.

Die Haut wurde grün .. seine Drachenflügel glänzten plötzlich in

Allen Farben und seien Fussnägel bekamen einen roten Glanz.

Verwundert betrachteten alle nun die Verwandlung. Die Zwerge

Tanzten um den Drachen herum und schrien und jubelten.

Auch der Drache begann zu tanzen und weinte vor Glück. Er

Dachte nicht mehr an sein Einschlafkissen. Vergessen war seine

Traurigkeit … er schüttelte die Hände der kleinen Zwerge und

Wenn diese sich nicht schnell wieder aus dem Wilden Kaiser Land

Verzogen hätten … wer weiss was sonst passiert wäre …

 


 



GEGRÜSSET seist DU MARIA

.. gegrüsset seist du Maria ...

Gegrüßet seist du Maria …

Sie ließ immer das Fenster auf. Wollte die Vögel am Morgen hören. Dabei den Gedanken haben, noch nicht aufstehen zu müssen. Mit einem wohligen Sein sich einzukuscheln in die Erwartung auf einen neuen Tag. Doch heute: Keine Vögel. Keine Erwartung an das Zurücksinken in das Kopfkissen. „Gegrüßet seist Du Maria, voller Gnade“. Monoton klang es zum Fenster herein. „Der Herr ist mit Dir und mit Deinem …“. Weiter hörte sie nicht mehr. Schlagartig wurde ihr bewusst, sie hatte verschlafen. Wieso hatte sie den Wecker nicht gehört? Die Hetze ließ die Wut nicht hochkommen. Schnell, schnell. Hose an, Strümpfe an. Nachts sind alle Farben gleich. Ausgerechnet heute, wo sie ihn doch vom Bahnhof abholen wollte. Nächtelang hatten Sie geredet. Am Telefon sich ausgetauscht. Und nun, „Gegrüßet seist Du Maria, voll der Gnade.“ Wieder die starren Pilgerstimmen. Für Kaffee war keine Zeit mehr. Dabei war ein Tag nur ein Tag mit einer heißen Tasse Kaffee am Morgen. Heute nicht … „und gebenedeit ist die Frucht Deines Leibes“, wieder diese einfältigen Stimmen. Es war ja Pfingsten. Die Wallfahrt fand immer an Pfingsten statt. Jahrelang war sie Mitpilgerin. Betete stundenlang das "Vater unser". Bis ihr Vater starb. Dann wusste Sie, was Vater im Himmel bedeutete. Er war ihr Mittelpunkt im Leben gewesen. Er war ihr Halt. Stopp! Keine solchen Gedanken mehr. Die Freude siegte in ihr. Heute, heute sollte er kommen. Sie hatte ihn auf ihrer Reise nach Papa Neuguinea kennengelernt. Sie hatte als Ornithologin an dieser Forschungsreise teilgenommen. Die Gruppe bestand aus vier Männern und drei Frauen. Als sie ihn das erste Mal am Flughafen in Frankfurt sah, da wusste sie, dass dies eine besondere Forschungsreise werden würde. Sein forscher Blick ging tief. Der Blick erinnerte sie an die Augen eines Adlers. Wachsam, gründlich und spähend. Was blieb ihr anderes übrig, als die Augen zu senken, um nicht in seinen Augen zu versinken. Die Expedition hatte fünf Wochen gedauert. Sie forschten in den noch unerforschten Wälder Papua-Neuguineas nach dem seltsamen Nirwanavogel. Es gab viele Geschichten um dieses Federtier. Ihr Professor an der Uni hatte sie oft bestärkt, den Glauben an diesen Nirwanavogel zu bewahren. Immer wieder wurden Federn in den schillerndsten Farben gefunden, die keiner Gattung zugeordnet werden konnten. Glaubte man den Einheimischen, dann lebte der Vogel in den Wipfeln des undurchdringbaren Dschungeldickichts. Nur ein Ureinwohner soll ihn je gesehen haben. Daraufhin verlor er seine Stimme und sein Augenlicht. Die Mystik besagte, dass niemand über ihn erzählen durfte. Es hieß: Wer eine Feder dieses Zaubervogels an sich nahm, der sollte den Tod finden. All dies ließ sie damals nicht mehr los. Sie wollte herausfinden, ob es ihn wirklich gab. Doch die Augen des Mitforschers wollten auch etwas herausfinden. Das verwirrte Sie.

„Geheiligt werde dein Name…“, wieder dieses stundenlange Grammophon leiern. Ja, sein Name war auch heilig. Antonios Paulus. Schon als er sich mit „Antonios“ vorstellte, war alles für sie klar. Sein Name und sein Nachname „Paulus“ gaben der Forschungsreise ein weiteres Ziel: Ihr Herz. Es schlug vom ersten Augenblick an für ihn. Sie wusste, diese Reise hatte eine besondere Bedeutung.

Ihre Gedanken kehrten ins Jetzt zurück. Schnell noch die Autoschlüssel und die Türe knallte sie hinter ihr zu. Sie erreichte den Bahnhof kurz vor der Einfahrt des Sehnsuchtszuges. „Auf Gleis 8 fährt ein … Vorsicht bei der Einfahrt!“

Vorsichtig wollte sie auch sein. Damals im Dschungel der Geräusche und Hitze Papua-Neuguineas, da war es eine Pilgerreise. Es waren besondere Augenblicke. Im Abseits der Welt. Ein einziges Nirwana an Hitze, Gefühlen, Stimmen, Moskitos, Surren und Nähe - ja Nähe - immer näher kamen sie sich. Das Zelt, das gegen Hitze, Feuchtigkeit und Regen schützen sollte, hielt ihrem Begehren nicht stand. Es war ihre Oase während der Expedition geworden. Die Nähe wurde aufgebraucht durch ihre Lust am Entdecken. Zugleich die triebhafte Suche nach dem Vogel.

Und eines Tages, da hörten sie ihn.

„Lausche“, sagte er nur. Und sie wusste, jetzt waren sie am Ziel ihrer Nirwanapilgerreise. Im Camp schliefen noch alle. Nur sie folgten den geheimnisvollen Geräuschen. Immer schneller rannten sie. Da, da, da war er! Groß, herrlich, mächtig, unheimlich, schonungslos schauend, schillernd und viel schöner, als in ihren Vorstellungen. Wie ein Gott saß er da. Ehrfurchtsvoll blickten sie nach oben. Atemlos.

Antonius fasste ihre Hand. Es war nicht die Feuchtigkeit des Dschungels, die ihr Gesicht berührte. Sie schraken auf, als ein fürchterlicher Schrei die Stille durchbrach. Sie spürten den Luftzug, als sich das Wesen aus seiner Starre erhob. Trotz der Dunkelheit konnten sie die Farbenpracht aufblitzen sehen. Es war nicht möglich, ihm in die Nacht zu folgen. Seine Flügel durchschnitten die Hitze mit unglaublicher Präzision. Als er über ihnen war, sah sie in seine Augen. Sie erschrak. Die Kälte darin ließ sie frieren. Kalte Leidenschaft. Das Nirwana des Geheimnisvollen. Diesen Anblick würde sie ein Leben lang nicht vergessen. Antonius Paulus bückte sich. Für ein Foto war es zu spät. Es war unmöglich, diesen Augenblick auf ein lächerliches Stück Papier zu bringen. Er steckte den Apparat zurück und noch etwas in seine Jackentasche.

Ihre Gedanken flogen zurück ins Hier und Jetzt. Wo war er? Aus dem Gewühl der Ankommenden konnte sie seine Haare nicht erkennen. Auch sein Lachen war nicht ausgestiegen. Seine Hände konnten ihre Sehnsucht nicht stillen. Alles war still in ihr. Etwas war passiert.

Sie dachte an die Rückkehr ins Zelt, nachdem sie den Vogel entdeckt hatten. Etwas hatte sich verändert. Er war in dieser Nacht so nah bei ihr und doch so unerreichbar. Es war, als hätte der Vogel einen Teil von ihm mit ins Nirwana genommen. Ihr Handy klingelte. Erst jetzt bemerkte sie, dass sie noch immer an Gleis acht stand. Der nächste Zug rollte schon an. „Achtung auf Gleis acht, in Kürze fährt ein der ICE …“ Mehr hörte sie nicht. Nur noch die Worte schwere Infektion - Krankenhaus - urplötzlich - keine Erklärung - ein Rätsel - nichts zu machen - gestorben - vor zwei Stunden. Die Worte drangen in ihr Ohr. Schoben sich wie der ICE in sie hinein. Endstation. Keine Weiterfahrt mehr. Alles aussteigen. Doch es gab keine Möglichkeit auszusteigen. Sie musste an die Stimmen der Pilger denken. „Am Abend, als er gekreuzigt wurde … Vater unser, der Du bist im Himmel … geheiligt werde dein Name.“ Sie spürte ihre Tränen. Haltlos. Dachte an ihren Vater. „Der Du bist im Himmel“.

Sie sah den Vogel vor sich. Seine Augen blickten tief in sie hinein. Sahen sie den Schmerz und die Ratlosigkeit? „Am Abend, als er gekreuzigt wurde, nahm er den Kelch, des neuen und ewigen Bundes…“ Sie würde für immer mit ihm, Antonius Paulus, verbunden sein.

Zwei Wochen später erhielt sie einen Brief. Er war von Antonius Paulus. Er hatte ihn vor seinem Tod an Sie adressiert. Seine Schwester hatte ihn erst jetzt an Sie weitergeleitet. Tage später fand sie den Mut den Umschlag zu öffnen. Die Zeilen verschwammen vor ihren Augen. Doch, es waren nicht nur die Zeilen die blendeten. Zitternd nahm Sie die Feder in die Hand. „Dein Reich komme“, dachte sie. Federleicht fühlte sie sich an. Sie wollte dort sein, wo ihr Vater und Antonius Paulus jetzt waren.

Sie legte sich in ihr Bett. Schloss die Augen. Ließ das Fenster offen. Sie liebte Vögel über alles. Der Gedanke, nicht aufstehen zu müssen, erfüllte sie mit besonderem Glück. „Tut dies zu meinem Gedächtnis“, erinnerte sie sich an die Gebete der Pilgernden.

T O D ist nicht T O D

Die Tiefe des Todes oder LOLA

 

 

 

Ein Text über den Tod ...

in Bezug auf meinen Blog heute, den 11.11.2012 ..

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Nur wenn das Alte stirbt, kann das Neue kommen ..

Daher .. es sind einfach Worte, bei denen es ums Loslassen geht ..
Ich stehe nackt vor dir …
Was soll ich mit einem Gewand …
Willst du doch mein Fleisch …
Dich einsaugen in mein weisses Etwas …
Ein Leben lang hat es mich umgeben …
Doch nun willst du es holen ..
Wie es wohl schmeckt …
Salzig … sagst du …
Ich sehe es rieseln ..


Das Leben …


In ein Gefäss mit weissem Salz …
Ist jedes Salzkorn ein Stück meines Seins …
Weg ..
Der Wind ..
Das Salzgefäss .. es kippt ..
Verstreut … das Salz … in alle Winde …
Ins Meer …
Dort, wo jedes Salzkorn aufgesaugt wird …
Wo es nicht mehr ist, was es sein soll …
Dort die Wandlung … jedes Salzkorn zu einem Tropfen …
Schwimme auf der Woge dahin …
Fühle mich nicht einsam ..
Fühle wie die Kühle mir gut tut ..
Ist die Kälte der Tod ..
Ein Lachen aus der Tiefe …
Erschüttert die Welt der Tropfen …
Es hallt in meinen tauben toten Ohren dort …

Wer ist das …

Die Tropfen um mich herum werden unruhig …
Es ist Proteo … Sohn Neptuns …
Er schlägt um sich …
Alles wirbelt herum …
Ist wild und unberechenbar …
Ich fühle diese Ohnmacht in mir …
Und die Machtlosigkeit …
Das ist der Tod …

Der Tod

Once there was a DREAM

Die Geschichte vom Engel, der gerne Mensch sein wollte …


Einst lebte ein wunderbarer Engel auf der Erde. Er war überall beliebt und freute sich an vielen Dingen der Welt. Doch immer wenn er sich freute, dann überkam ihn auch eine seltsame Traurigkeit. Woher diese kam, dass wusste er nicht und dies machte ihn noch trauriger. Viele Menschen wollten wissen, warum er denn so traurig sei. Er zog nur die Schultern nach oben und sagte,

dass er es auch nicht wisse.

 

 

So fühlte er sich immer hin und hergerissen.

Auf der einen Seite die Freude und
auf der anderen diese Traurigkeit.

Eines Tages legte er sich auf eine Wiese. Der Duft des Grases
zauberte ein Lächeln auf seine Lippen. Da sprang ein kleiner
Grashüpfer direkt auf seine Nase.

„Du kleiner Freund. Was willst du denn auf meiner Nase?“,
fragte der Engel ihn.

„Ich will dich verzaubern …"

„Mich verzaubern. Aber ich bin doch schon ein Engel. Was will
ich denn noch mehr."

„Ich will aber, dass Du ein glücklicher Mensch wirst!“

Da kamen dem Engel die Tränen. Eine Träne kullerte direkt
auf den Grashüpfer zu und berührte diesen. Just in dem Moment
Verwandelte sich der Grashüpfer in eine Schale, die so schön
war, dass es den Engel blendete. Als er die Schale so betrachtete,
da entdeckte er einen Zettel darin.
Voller Neugier nahm er den Zettel und faltete ihn auf.

Dort stand mit goldener Schrift:

Fürchte Dich nicht vor dem Leben. Nimm das Leben an, so wie
es ist. Als Engel kannst Du jederzeit davonschweben. Aber als
Erdenmensch musst du die Herausforderungen annehmen. Erst
Wenn Du lernst, mit den Dingen Auge in Auge zu sein, dann wird
deine Traurigkeit sich in Freude verwandeln. Habe den Mut und
sage ja zu dem was kommt. Es wird dich verwandeln in einen
Menschen, der spürt, dass es sich lohnt zu leben.

Dies alles war in einer duftenden Schrift geschrieben. Als der
Engel diesen Duft einatmete, da fühlte er soviel Liebe in sich.
Er wusste, dass diese Liebe nur für ihn bestimmt war und er
freute sich, über die Unermesslichkeit dieser Liebe.
Immer würde sie für ihn bereit sein. Er musst diese nur annehmen.

Er stand auf und in diesem Moment war er ein Menschenkind.
Er verstand nun woher seine Traurigkeit kam.
Er hatte nie auf Erden die Freude gespürt. Darüber war er
so traurig. Als Engel verspürte man diese anders und dieses
Anderssein machte ihn immer so traurig.

So lief er nun voller Vorfreude auf die Häuser zu. Die
Menschen begrüssten ihn und waren froh, dass er nun einer
von ihnen wurde. Schon lange hatten sie darauf gewartet,
mit ihm die Welt in ihren Augen zu sehen.

So wurde ein Fest gefeiert. Die Freude der Menschen war so
ansteckend, dass es ein wahres Freudenfest wurde. Und der
Engel konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie sich
Traurigkeit anfühlte.

The red D R E S S

Auszug ... Umzug .. Entwicklung

das rote kleid im offenen schrank

 
wollte ihn nicht verschliessen …
wollte es immer sehen …
es blühte noch so herrlich …
es zeigte mir noch all seine knospen …
jeden tag musste ich es gießen …
das wusste ich …
obwohl ich gärten lieber grün sah …
diese wunderbare pflanze wollte ich pflegen …
würde ich die kraft haben …
wo ist die gießkanne …
panik …
ich hatte sie doch dort abgestellt …
du lächelst …
du hast sie mitgenommen …
die treppe hoch hast du sie geschleppt …
ich kann es sehen …
die tropfen sind noch da …
doch sie fühlen sich kalt an …
du drehst dich um zu mir …
mir graut …
ich erkenn dich nicht wieder ..
ohne zähne ..
die haare verworren ..
ein hämisches gelächter …
es sprudelt aus deinem mund …
grün und verquollene spucke …
es ist wie eine schlange …
ich würge …
ich muss spucken …
deine lippen sind grün …
kann es sein, dass ich dich nie gekannt habe ..
du willst mich schnappen …
ich renne davon ..
raus aus dem garten ..
hinein in den wald …
die vögel zwitschern …
sie singen mir ein lied ..
ich lege mich in die nadeln …
sie picken nicht ..
sie zeigen mir nicht ihre spitze …
eine eule kommt ..
ich wache .. flüstert sie mir zu ..
ich kann wieder atmen …
ein reh tapst auch mich zu ..
das fell beruhigt mich ..
schliesse die augen ..
schliesse den schrank ..
werfe den schlüssel in den see ..
dort wo wir immer gebadet haben ..
er verschwindet …
die pflanzen schlingen ihn ein …
ich ziehe aus ..
suche mir neue wände und türen ..
den schrank ..
den lass ich da …
da hat er seinen platz …
ich will keine schränke mehr …
lass alle türen offen …
es klopft …

das umzugsunternehmen …

K E I N Platz an der S O N N E



Er hätte sich nie getraut, sie anzusprechen. Dafür war er einfach zu naiv und nicht tolerant seinem Selbstbewusstsein gegenüber. Aber sie, sie kam auf ihn zu und fragte: „Where is Bar Central please”. Er wusste den Weg dorthin blind. Jede Woche hatte er dort seinen Auftritt. Es war eines der ältesten Cafes in Palma und lag direkt am bekannten Plaza Espana, mitten im Zentrum der Hauptstadt Mallorcas..   

Aber nun, als dieses rothaarige, sommersprossige und zweifelsohne selbstbewusste Wesen ihn nach dem Weg fragte, da fehlten ihm die Worte. Er brachte es nicht über die Lippen; zu erklären, dass sie die Calle San Miguel hochlaufen, rechts in die Carrer de Marie Curie abbiegen und dann schon direkt auf den Plaza zusteuerte. Aber nein, vor Aufregung und Überraschtsein, brachte er kein Silbe heraus. Sein Mund war verschlossen, dass sie denken musste, er wäre taub und stumm dazu..

Es war ein Uhr nachts und viele Leute waren zu dieser Zeit noch in der wunderschönen Altstadt von Palma unterwegs. Die Nacht wurde hier zum Tag und das, war für ihn das Leben. Grund dafür war, dass er seit seinem ersten Lebenstag, nie die Sonne so richtig sehen durfte. Unvorstellbar auf der Sonneninsel Mallorca.

Er erblickte das Licht der Nacht vor 38 Jahren. Seine Eltern, Juan und Juanita de Esperanto, gaben ihm den wunderbaren Namen Alessandro. Von da ab, stellte er alles in den Schatten. Nicht, das er das Licht nicht wollte, aber seine Haut lehnte die Sonne strikt ab. Kurz nach der Geburt wurde ein schwerer Gendefekt bei ihm festgestellt.

 Damals wusste niemand über diese Art von Krankheit genau Bescheid und welche Auswirkungen sie haben würde. Seine Eltern mussten Ihr Leben drastisch ändern. Sie waren gezwungen, die Nacht zum Tag zu machen und er kannte sein Zuhause nur in der Dunkelheit. Am Tag waren die Fensterläden verriegelt, damit ihn kein Sonnenstrahl picken konnte und in der Nacht waren, wie sagt man so schön, alle Katzen grau. Einige Male hat er versucht, sein Leben nicht in den Schatten zu stellen. Heftige und schmerzhafte Verbrennungen waren die Folge. Da wurde es ihm klar, dass es für ihn in seinem Leben keinen Platz an der Sonne geben würde.

Juan und Juanita versuchten alles, um sein Leben lebenswert zu machen. Er hatte ein Kinderzimmer, dass keine Wünsche offen ließ. Sein Vater schleppte jede Woche Spielsachen in sein dunkles Dasein, damit er nicht an die Sonnenseite des Kinderlebens denken musste.

Er hörte das Geschrei von Kinder aus der hellen Ferne und sein Hauslehrer brachte ihm bei, wie man als Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel überlebte. Denn, so fühlte er sich. Einsam auf einer Insel und weit weg vom Leben. Leben .. ja, wie sollte er sein Leben gestalten . Darüber dachte er in seinen Tagträumen oft nach. Welchen Sinn sollte es für Ihn haben.

Doch eines Tages, da brachte sein Vater die Antwort. „Alessandro, Alessandro, komm schnell .. steh auf .. ich habe Dir was mitgebracht“. Diese Worte kannte er zur Genüge und es reichte ihm langsam. Er wollte nicht unhöflich sein und schlurfte aus seiner Tageshöhle heraus. „Da sieh „ … und er schaute und staunte.

Wieder einmal musste er an Robinson denken .. als in dessen Leben plötzlich Freitag trat und so erging es ihm mit dieser wunderbar glänzenden, schwarzen Gitarre, die Juan so verheißungsvoll in den Händen hielt. „Papa, danke, danke“ brachte er noch heraus. Mit diesem Moment sollte sein Leben eine andere Seite kennen lernen. Er war nicht mehr alleine mit seinem Schicksal … er hatte einen Freund gefunden, der ihn verstand, ohne in Mitleid zu zerfließen. Und … noch jemand sollte von nun an eine einnehmende Rolle spielen. Als er zum ersten Mal im Radio … in the Ghetto … hörte, da kamen ihm die Tränen. Alessandro wusste, wie es sich anfühlte, alleine zu sein und dankte Elvis innerlich für dieses Lied.

Sein Zimmer war von nun an nicht mehr eng und dunkel. Es war eine Bühne, eine Bühnedie seinem Dasein einen Wandel gab, die ihn zu Elvis Presley verwandelte. Sein Hauslehrer, Fernando, war begeistert und schleppte immer mehr Noten heran. Sein Repertoire an Elvissongs steigerte sich von Note zu Note. Der Tag hatte eine Sonnenseite bekommen, die unter die Haut ging. Immer wenn er „Love me tender“ oder “ Are you lonesome tonight“sang, fühlte er ein Brennen am Körper. Ein Brennen, das ihm Mut und Glauben an sich selbst gab. Juan und Juanita lauschten andächtig an der Türe. Juan ergriff die Hand von seiner Juanita und drückte sie so fest, dass ihr die Tränen über die Wangen liefen und sie flüsterte leise „Alessandro“.

 Fernando war es, der ihn drängte. Immer und immer wieder. „Alessandro, bitte. Versuch es nur einmal. Du wirst sehen, die Leute werden begeistert sein“. „Fernando, ich schaff das nicht. Ich werde keinen einzigen Ton treffen und das Publikum wird mich gnadenlos ausbuhen. Und dann …?“ „Alessandro, es ist doch einen Versuch wert, bitte.“

Und so kam es, wie es eigentlich nicht kommen sollte. Er musste seine Insel verlassen. Fernando brachte ihn zu anderen Ufern. Und nicht nur er, auch Elvis zeigte eine gewisse Hartnäckigkeit, die er nicht in ihm vermutete.

Er konnte sich noch an den Tag erinnern, wo die Scheinwerfer ihn blendeten. Die Bühne nicht mehr sein Zimmer war und überhaupt alles nicht mehr so in sein Leben passte. Das Lampenfieber zeigte sicherlich 42 Grad in ihm an. Er glühte vor Aufregung und sein Mund fühlte sich an, wie ein Flussbett ohne Wasser in der glühenden Sonne. Wie sollte er so in Fluss kommen?

Er hörte nur noch die Stimme: „Meine Damen und Herren … Willkommen in der Bar Central. Heute Abend feiern wir eine Premiere .. etwas Einmaliges .. Alessandro de Esperanto, meine Damen und Herren, er wird …“

Was sich in den nächsten zwei Stunden ereignete, das war für ihn, das Licht der Welt erblicken. Zu sich kam er erst wieder, als ein donnernder Applaus ihn zurückholte.

Dorthin, wo seine schwarze Gitarre und Elvis ihn gebracht hatten. Die Leute jubelten und verlangten nach Zugabe. Fernando fiel ihm um den Hals und Juan und Juanita saßen stumm und fassungslos in der ersten Reihe. Sie konnten nicht glauben, dass ihr Alessandro das gewesen sein soll.

Er wurde zu einem festen Bestandteil des Abendprogramms. Alle Besucher wollten ihn sehen und die Einsamkeit verabschiedete sich aus seinem Leben.

Doch heute … was war los mit ihm. Die roten Haare und das herrlich helle, sommersprossigem Gesicht von ihr, wollte nicht aus seinem Kopf. Er versuchte sich auf seinen Auftritt zu konzentrieren, aber selbst Elvis schwebte heute in anderen Sphären. Sie … saß in der vierten Reihe, vierter Stuhl von außen.

„Alessandro, komm endlich, dein Auftritt. Die Leute warten schon auf Dich.“ „Gleich, gleich bin ich soweit“. Alessandro zwang sich zu sich selbst. „Es ist alles wie immer“ versuchte er sich selbst zu beruhigen. „Geh einfach raus, konzentrier Dich auf Elvis und Deine Gitarre … und denke nicht an sie.“ Doch dieses Rot ihrer Haare wollte nicht aus seinem Blickwinkel verschwinden. Als sein Zugabesong bejubelt wurde und er sich bedankte, da sah er sie winkend im Publikum stehen.

Hallo, hier bin ich doch … ihre sommersprossigen Hände zeigten in eine ganz andere Richtung. Sein Blick folgte ihren Bewegungen und er traute seinen Augen nicht. Nein, nein, das kann doch nicht wahr sein. Fernando stand mit schwarzen, offenen Hemd ein paar Meter neben der Bühne und strahlte.

Er schwenkte seine braungebrannte Hand in gleicher Richtung, wie die des wunderbaren Wesens. „Elvis, lass es nicht wahr sein. Tu doch was. Lass mich irgendetwas singen, dass sie mir zuwinkt“.

Doch Elvis hatte die Bühne schon verlassen. Stattdessen kam Fernando auf ihn zu … mit ihr. Hand in Hand … Sommersprossen gekoppelt mit männlicher Bräune. Ein Bild, dass ihn im Bilde sein ließ.

„Alessandro, so warte doch. Ich will Dir Alicia vorstellen. Bleib doch stehen.“ Er war nicht mehr in Stimmung Alicia kennen zu lernen. Er wünschte sich auf seine einsame Insel zurück. Er wollte nur noch allein sein. Ja, das wollte er.

„Was ist denn los mit dir Alessandro?“ Was los ist .. wie konnte ich nur denken, dass sie wegen ihm … Aber da wurde seine Hand schon von Ihren zartgliedrigen Fingern geschüttelt und mit ihrem Strahlen machte sich der Elvissong Fever in ihm bemerkbar.

„Alessandro, dass hier ist Alicia Travis. Alicia kommt aus Boston und ist Professorin für Genetik, an dem dortigen Institut, dass weltweit bekannt ist für Genforschungserfolge.

Kennen und lieben gelernt habe ich sie vor sechs Monaten, während eines USA Besuchs.. Als ich von dir erzählte, wollte sie dich unbedingt kennenlernen. Vielleicht …“

Mehr hörte er nicht. Irgendetwas ließ ihn nicht mehr seine Insel finden. Sie war nicht mehr da, wo sie jahrelang gewesen ist. Etwas Unbekanntes steuerte auf ihn zu. Etwas, was bisher in seinem Leben keinen Platz hatte. Er dachte an eine Dankesrede von Elvis bei einer Preisverleihung.

„Als Kind war ich ein Träumer. Jeder Traum, den ich je geträumt habe, ist hundertmal wahr geworden … „