DER  VERBRENNER ..

Ja ... ich muss zugeben ........ keine leichte Kost ...

wird vl dem einen oder anderen etwas im Magen liegen ...

schwer zu verdauen ..

 

aber ... die Worte waren einfach da ... habe sie in mir einfach

angezündet .. dann zeigten sie sich .. auf ihre eigene Art und Weise ..

oder vielleicht auf meine Darstellungsart ... jedes Wort bedarf einer

Darstellung .. oder der Phantasie .. manchmal kann ein Wort das Tor

zu einer Geschichtenwelt sein .. so ist auch der Verbrenner entstanden ...

nicht mehr, aber auch nicht weniger ..

 

Durch die momentane Situation der humanistischen Probleme wurde

bestimmt auch ein Feuer in mir angezündet und hat die Idee noch

mehr erhitzt ..

 

Take care of reading it ... eve


Er wurde nur der Verbrenner genannt.

 

Sein eigentlicher Name war Bruno Ernst, geboren  vor 32 Jahren. Sein Zuhause war damals ein kleines Häuschen, in dem Dorf Hammelsdorf. Dieser kleine Ort war eine Oase. Doch Bruno war damals schon anders. Er spielte immer gerne mit dem Feuer. Schon im Alter von fünf Jahren hatte er mehr Freude am brennenden Christbaum, als an den Kerzen. Für ihn war es erst Weihnachten, wenn alle weinten. Und wie er feststellte, waren alle vom Himmel hoch, da komme ich her, traurig. Wieso er das getan hatte, wurde er gefragt. Er hatte keine ehrliche Antwort geben können. Zu gross war die Aufregung und er verstand es überhaupt nicht. Doch hatte er begriffen, dass es falsch gewesen war, jetzt mit seiner tiefsten Wahrheit ans Licht zu kommen. Er wollte alles verbrennen. Seine Träume waren von Flammen und Rauch umgeben.


"Major Ernst, es ist soweit."


"Ich komme gleich."


Diesen Satz liebte er besonders. Das war der Augenblick, wo die Vorfreude in ihm das Feuer noch mehr entflammte. Wo er alles vergaß, was der Pfarrer ihm damals nach Weihnachten gesagt hatte. Ja .. er konnte sich an jedes einzelne Wort von ihm erinnern.


"Bruno, mein Sohn."


Schon dass war eine Lüge. Er war nicht sein Vater. Er war nicht berechtigt, ihn seinen Sohn zu nennen.


"Bruno, ich muss mit Dir reden."


Ja .. rede nur. Ich habe meine Ohren verschlossen. Jedes Wort, dass du mir sagst, werde ich sofort ins Feuer werfen.
Schon jetzt freue ich mich auf die Stichflammen. Besonders die Wörter .. heilig und Vergebung. Das waren die Zündbomben in seinem inneren Feuer.


"Ich komme"


Major wurde er eigentlich nur offiziell genannt. Nannte man ihn doch nur den Verbrenner. Sein Schicksal hatte ihn dort hingeschickt. Dahin, wo das Feuer eine Sprache bekam. Wo das Feuer seine tiefste Lust der Zerstörung ans Tageslicht brachte. Doch dort wo es brannte, da war es dunkel. Nur nackige Leiber zitterten vor seinem Feuer.
Ohja, er war ein großartiger Feuerleger. Er liebte die Angst der Menschen, wenn sie die Türe durchschritten. Er liebte es zu beobachten, was die Angst in den Menschen auslösen konnte.


"Bruno, mein Sohn. Der Herr wird dir vergeben."


Welcher Herr denn. Für ihn gab es nur den Feuerteufel. Er hatte kein Gesicht. Keinen Namen, kein Zuhause.
Es war exakt vor vier Jahren. Da sah er ihn, den Teufel persönlich.  Er wusste sofort, dass er etwas besonderes war. Die dunklen Haar glatt an seinem Kopf gekämmt. Über den feuerspuckenden Lippen bewegte sich das kurz geschnittene Barthaar in Reih und Glied. Angepasst an den Lippen, die das Feuer der Worte schürten.


"Heil, Hitler !"


Jetzt wusste Bruno, was ihm heilig war. Wem er sein Feuer im Inneren endlich zeigen konnte. Er meldete sich an. Heil Hitler wollte ihn. Das spürte er so sehr.


"Hr. Mayor, wir müssen."


Klar .. es durfte nicht allzu viel Zeit vergehen, denn das Feuer musste brennen, brennen, brennen.
Es brannte in ihm. Er öffnete den Ofen. Die Glut war noch von gestern drin. Es war ein Leichtes es wieder zu entzünden. Er stocherte in der Glut .. legte Holz darauf und ein Hauch aus seinem Mund bewegte es. Es faszinierte ihn. Die Glut haftete sich an seinen Hauch. Zart und fein blies er dorthinein. Es sprühte nach allen Seiten und .. dann war es da. Diese so sehnsuchtsvolle Gefühl nach Brennen. Es gab ihm eine tiefe, tiefe Befriedigung. Woran es ihn erinnerte ?
Daran wollte er nicht erinnert werden. Das war vor dem Fest des brennenden Weihnachtsbaumes.
 Es war ein Tag, wie er für den kleinen Ort seiner Kindheit, normal war. Seine Mutter küsste ihn auf die Stirn. Er spürte noch ihren warmen Atem. Er konnte sich noch an ihren Geruch erinnern. Er wusste alles noch von diesem Morgen.


"Bruno, ich fahre jetzt in die Stadt"
"Magst Du mitkommen"


Das musste Mama nicht zweimal sagen. Er zog sich an. Schneller als schnell. So schnell, dass kein Feuer ihn hätte einholen können.


"Ich komme !"


Sie fuhren den Weg entlang an der Küste. Er genoss diese Zweisamkeit mit ihr. Er liebte sie über alles. Manchmal dachte er, sein Herz würde verbrennen, wenn er sie nicht mehr sehen konnte.


"Schau, Bruno, dort .. das Meer"


Sie liebte das Wasser. Das Glitzern im Licht des Tages und manchmal schlich sie sich auch nachts aus dem Haus. Das hatte er einmal mitbekommen, als Vater zornig war.


"Sie ist wieder weg."


Sie suchten sie und fanden sie ausgezogen an den Klippen.
Der Arzt stellte fest, dass sie Schizophrenie hatte. Er konnte mit dem Wort nichts anfangen. Aber er war sich sicher, dass die Medizin eine Hilfe war.


"Bruno, schau doch nur, wie die Sonne dem Meer Feuer gibt."

 

Er sah es und er empfand eine so tiefe Liebe für seine Mama.


"Mama, wollten wir nicht in die Stadt fahren. Es ist schon spät geworden. Vater wird sicherlich wieder wütend, wenn wir nicht rechtzeitig zum Essen zuhause sind.
"Gleich, Bruno, gleich. Ich will nur noch einen Moment in das Meer sehen. Von da vorne habe ich den besten Blick. Bleib kurz hier. Ich bin sofort wieder da."


Er wartete im Auto. Er wusste, dass er seine Mutter nun nicht stören konnte. Denn nun war sie anders, als sonst. Sie begann zu sprechen.


"Mit wem sprichst Du, Mama."


"Bruno, sei bitte brav. Bleib einfach im Auto."


Er beobachtet sie. Sie war so schön. Selbst von hinten konnte er ihre Weichheit fühlen. Wenn ihre Arme sich am Abend um ihn schlangen und sie mit ihm das Gebet sprach.
Doch wo war sie. Er hatte sie aus den Augen verloren. Nur für einen kurzen Moment war er in Gedanken.


"Mama, Mama .. wo bist Du ?"


Keine Antwort. Er lief um die Klippen herum. Die Sonne stand fast auf dem Wasser und da .. da lag sie ... brennend wie die Sonne. Am Boden .. die Arme nach links ausgestreckt. Die Beine versuchten mit ihr zu brennen.

 
"Mama, Maammmaaa"


Dann wurde alles schwarz um ihn herum. Das Erste was er wieder sehen konnte, war der Schein einer Kerze. Er lag in einem Bett.


"Mama"


Jemand schob seinen Ärmel hoch. Es pikste und dann war alles wieder dunkel um ihn herum.


"Bruno, ich bin es, dein Vater"


"Wo ist Mama. Habt ihr das Feuer gelöscht."


"Bruno, deine Mutter ist nun da, wo sie sein wollte. Im Himmel."


Wie kann man denn dann an Weihnachten singen, vom Himmel hoch, da komme ich her, wenn sie doch dort hingegangen ist.

 

"Es brennt. Wir sind soweit."


"Jawohl, Hr. Major. Die Gefangenen sind vorbereitet. Wir lassen sie nun alle hinein."


"Wieviel sind es heute ?"


"35 Kinder."


"Heute sind also die Kinder dran."


"Ja, Hr. Major."


Er öffnete die Zellen. Dort standen sie. Ausgezogen, die Köpfe blankgeschnitten und er konnte ihre Angst spüren. Er wusste, wie sich fühlten und es war ihm wie ein Trost. All diese Kinder würden erleben, was er damals erlebt hatte. Seine Mama wurde in ihm verbrannt. Es gab ihm ein absolut tiefes Gefühl des Trostes.


"Alle hier rein."


Sie schleppten sich durch die Türe. Seine Leute standen bereit mit den Knüppeln. Nicht viele wehrten sich. Wussten manche von ihnen gar nicht, was es heißt, durchs Feuer zu gehen. Doch das sollten sie bald merken. War es nur ein kurzer Moment des Bewusstseins, dann würde alles um sie herum im Dunklen sein. So wie bei ihm damals.


"Hr. Major, wir können die Türe schließen."

 

Er war der Verbrenner. Er konnte alles verbrennen, was Angst vor dieser Dunkelheit bedeutete.
Er genoss es, diese Schreie zu hören. Nun wusste er auch, dass er so laut geschrien hatte nach ihr. Diese Worte kamen in diesem Moment in ihm hoch. Er spürte die Angst darin, er konnte diese Leere fühlen.
Doch dann war es leise. Es war keine Stimme mehr zu hören. Fast als wenn niemand um ihn herum atmen würde.

Und genau dann kam sie zu ihm, die Stimme seiner Mama.


"Bruno, ich liebe das Feuer so sehr. Hilfst du mir dabei es zu machen ?"


Es war immer diese Stimme, die er hörte. Immer und immer wieder flüsterte sie diese Worte in sein Ohr.

 

"Heil, Hitler"


Er verabschiedete sich. Zog sich zurück in sein Zimmer. Zog sich aus. Und die Narben waren am ganzen Körper zu sehen. Lange Zeit lag er im Schmerz damals. Man hatte ihn vom Kopf bis Fuß eingebunden. Er verstand es nicht. Er wurde immer wieder ins Dunkle geschickt. Wenn er aufwachte, dann schrie er vor Schmerz. Waren es aber nicht die Verbrennungen, die ihm wehtaten. Nein .. es war das Fehlen der Mutter. Und immer wieder und wieder kamen die Bilder. Wie seine Mutter brannte. Wie er versuchte, die Flammen mit seiner Jacke zu ersticken. Und dann wollte er mit seinem Körper das Feuer löschen. Sie hatte es ich selbst angezündet. Mit einem Feuerzeug, dass sie immer in ihrer Tasche hatte. Einfach so.
Sie redete dabei von Fegefeuer und Verdammnis.

Er duschte sich erst einmal, wie immer nach diesen Feuertagen. Im Spiegel sah er sich an. Seine Haut war glanzlos und mit vielen Grenzen. Es waren tiefe Furchen und Hügel dort, wo andere sich glatt und angenehm fühlten. Er konnte oft die Hand seiner Mutter an den Narben spüren.


"Nicht, Mama"


"Bruno, es macht mir nichts aus. Da wo ich jetzt bin, da gibt es keine Narben. Da ist alles ohne zu sein. Komm doch zu mir."


Die Stimmen wurden mit der Zeit immer mehr. An manchen Tagen war es so schlimm, dass er kaum aufstehen konnte. Er nannte diese Tage seine Migränetage. Dann ließ man ihn in Ruhe.
Er trocknete sich mit dem weißen Handtuch die Narben ab. Manchmal hatte er das Gefühl, als wenn das Handtuch dann voller Ruß wäre und der eigenartig Geruch, wie er ihn auch als Verbrenner immer roch, zog sich durch seinen Körper.
Er öffnete die Schublade und nahm es heraus. Es war alles, was ihm von seiner Mutter geblieben war. Er schnippte es an. Es war sein Heiligtum. Ihre Initialen waren eingeprägt.
In Liebe von Hermann. Das war sein Vater. Er hatte versucht es wegzukratzen. Aber .. ohne Erfolg.
Er zog sich an. Sie rief ihn. Er konnte die Sehnsucht in ihrer Stimme spüren und wusste, dass er nun gehen musste.


"Mama, heute ist Weihnachten !"
"Ich zünde den Baum der Narben an. Er kann hier nicht mehr wachsen. Seine Kraft ist nicht stark genug."

 

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"Hiermit nehmen wir Abschied von Hr. Major Ernst. In seinem Herzen brannte die Liebe zu seinem Vaterland."


" Sieg Heil "

 

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